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Aktuelles 15

DER SARKOPHAG

KÖNIG LUDWIGS II. VON BAYERN - EIN GEHEIMNIS?

2. Teil und Ende

Ein Forschungsbericht von Peter Glowasz

Verbirgt der Sarkophag König Ludwigs II. tatsächlich ein Geheimnis? NEIN! - Befindet sich in ihm der einbalsamierte Leichnam Ludwigs II.? JA!

Aufgrund meiner jahrelangen Forschungsarbeit bzw. Recherchen können diese vorgenannten Fragen klar und eindeutig so beantwortet werden.

Bekanntlich ranken sich bis heute viele Anekdoten und reißerische Geschichten um den von Architekt und Oberhofbaurat Julius Hofmann entworfenen und von Zinn- gießermeister J. Rößler geschaffenen prächtigen Königssarg: Gesamtgewicht 20 Zentner, Länge 2,75 m, Breite 1,18 m, Höhe (ohne Königskrone, 50 cm) 1,25 m.

Schon während der Aufbahrung der sterblichen Hülle in der alten Kapelle der Residenz verbreitete sich unter der vorbeiziehenden dichten Menschenmasse das Gerücht, in dem Sarg würde eine Wachspuppe liegen; sie alle, die vom König Abschied nahmen, waren fest überzeugt: das war nicht der tote König!

Man erinnerte sich an einen Zeitungsartikel, in dem berichtet wurde, dass die von Professor E. Eberl abgenommene Totenmaske von Hof-Gipsformer Mahr gegossen wurde; hat man vielleicht davon einen Wachsabguß gemacht, ihn verschönert, angemalt und in den Sarg gelegt? Tatsächlich soll das Gesicht Ludwigs wachsgelb ausgesehen heben. Und Eingeweihte behaupteten später, dass ein Maskenbildner Ludwigs Antlitz mit einer Wachsschicht überzogen hätte, um es würdig zu zeigen.

Dazu sei hier nun folgendes zu bemerken: Wenn Ludwig II. tatsächlich ein wachsgelbes Aussehen gehabt haben soll, dann muß dies aber nicht heißen, dass der Leichnam mit Wachs behandelt wurde. Ein Leichnam, der damals nur wachsgelb wirkte, wurde im Rahmen der Einbalsamierung nicht mit dem Farbstoff Eosin behandelt, denn im Todesjahr Ludwigs II. kannte man diesen Farbstoff noch nicht.

Mir liegt seit vielen Jahren eine glaubhafte Erklärung vor, wonach die Ärzte bei der Sektion der Leiche Ludwigs II., besonders bei der Schädelöffnung, nicht sehr pietätvoll umgegangen sein sollen. Um dem Leichnam dennoch ein würdevolles Aussehen zu geben, soll man das Gesicht des Königs mit Wachs überzogen haben; dies könnte aber auch mit den übrigen sichtbaren Körperteilen wie den Händen so geschehen sein. Insofern wirkte der aufgebahrte Leichnam Ludwigs II. für viele Menschen von damals wie eine Wachspuppe.

Zur Beschaffenheit des neoklassizistischen Sarkophags und der in ihm eingelegten Särge als auch zur Einbettung des einbalsamierten Leichnams Ludwigs II. ist folgendes auszuführen: Nach erfolgter Einbalsamierung wurde die Leiche des Königs in die schwarze Tracht des Großmeisters des hohen Hausordens vom heiligen Hubertus mit einem anliegenden schwarzen Samtgewand mit Jabot und gebauschten Spitzen-Manschetten, unterbreitet mit dem prächtigen Ordensmantel gekleidet. Die linke Hand hält ausgestreckt ein Schwert, während die Rechte jenen kleinen, von der Kaiserin Elisabeth von Österreich (genannt: Sisi) in Feldafing selbst gepflückten und gesandten Strauß weißer Jasminblüten auf die Brust drückt; die Hände mit den feinen weißen, langen Fingern tragen keine Handschuhe.

Nach der Aufbahrung des Leichnams auf dem schräg gelagerten Paradebett (geöffneter Mahagonisarg) wurde dann der geschlossene Sarg in die Münchner Sankt Michaelskirche in der Neuhauser Straße für die Beisetzung am 19. Juni 1886 überführt. Im Anschluß an die Einsegnungsfeierlichkeit in der Kirche wurde der Mahagonisarg in die prachtvoll dekorierte Fürstengruft getragen.

In der Gruft stand im abgegrenzten Altarraum ein bereits geöffneter bräunlicher, vergoldeter Zinksarg zur Aufnahme des Mahagonisarges mit dem Leichnam Ludwigs II. bereit.

Erzbischof Antonius von Steichele nahm das feierliche Begräbnis vor. Nach Verrichtung der letzten Gebete in der Mitte des Altarraumes der Gruft wurde dann der Mahagonisarg in den Zinksarg eingelegt und dieser gemäß einem Protokoll vom 19. Juni 1886 am Kopf- und Fußende von Staatsminister Krafft Freiherr von Crailsheim doppelt versiegelt und mit zwei Schlössern verschlossen; später wurde dann der Zinksarg luftdicht verlötet.

Erst am 22. Oktober 1886, nach Vollendung der notwendigen baulichen Vorarbeiten in der Königsgruft, erfolgte dann (wie schon ausgeführt) die Umbettung des einbalsamierten Leichnams König Ludwigs II. in den von Rößler geschaffenen Zinnsarg (Sarkophag).

In der Gruft der im Jahre 1597 fertig gestellten und eingeweihten Sankt-Michaels-Hofkirche (später genannt: Sankt Michaelskirche) in der Neuhauser Straße in München fand Ludwig II. seine letzte Ruhestätte.



Ein Bombenangriff am 25. November 1944 zerstörte die Kirche fast völlig. Die Trümmer überschütteten auch die Wittelsbacher Fürstengruft, so dass Teilflächen in der Gruft ebenfalls erheblich beschädigt wurden. Darüber gibt es jetzt eine absolut seriöse Information einer integren Person, die erst später, also im Jahre 1950/51, für ein kleines Entgelt mit Aufräumungsarbeiten bzw. Schuttwegräumung in der Kirche und in der Gruft beschäftigt wurde. Diese Person, inzwischen 73jährig, bestätigte mir vor einigen Jahren glaubhaft, dass sich zu diesem Zeitpunkt der Leichnam Ludwigs II. im Sarg befand. Ausführlich berichtete mir diese Person, wie er bei geöffnetem Sarg den toten König vorfand. Einzelheiten mit Namensnennung der Person sind meinem Buch: “Der Tod am Starnberger See” zu entnehmen; vor allem wird in dem Buch nachgewiesen, dass Ludwig II. am 13. Juni 1886 durch Schüsse getötet wurde.



Der Sarkophag Ludwigs II. war in seiner Geschichte recht unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt und hat, wie schon erwähnt, erhebliche Kriegsschäden erlitten; eine genaue Aussage über eine mögliche Entstehung oder Ursache eines bestimmten Schadens wäre n u r durch eine chemische Analyse des Materials aus der suspekten Stelle möglich bzw. aufschlussreich, wozu die Erlaubnis der Entnahme einer kleinen Probenmenge notwendig wäre. Eine nachträgliche Lötnaht könnte durch einen Vergleich des verwendeten Lötmaterials aus der fraglichen Schadstelle mit demjenigen aus Nähten nachgewiesen werden, die eindeutig aus der Herstellung stammen. Schädigungen von innen, ohne erkennbare Außeneinwirkung, wären eigentlich nur nach Fehlern bei der Bestattung überhaupt denkbar, eigentlich nur vorstellbar, wenn derartige Fälle von anderen Sarkophagen bekannt wären.

Äußerlich sichtbare Schadstellen können aufgrund der Geschichte unterschiedliche und auch recht plausible Ursachen haben. Dazu reicht beispielsweise ein längerer Kontakt mit einem Eisenteil in feuchter Umgebung; sind nämlich zwei verschiedene Metalle über eine leitende wäßrige Lösung verbunden, bildet sich ein galvanisches Element (wie beispielsweise in einer Batterie). Dadurch können starke Korrosionsschäden bis hin zu Löchern entstehen. Ohne Kenntnis der genauen Umstände läßt sich jedoch leider nichts aussagen.



Fotoaufnahmen helfen auch hier alleine nicht weiter; ungünstige Lichtverhältnisse oder entstandene kleine Schlagschatten (entstanden z. B. durch Blitzlichtaufnahmen) auf dem Foto lassen Schadstellen unter Umständen nicht erkennen, könnten umgekehrt sogar nicht vorhandene vortäuschen. Auch bei klar erkennbaren Schädigungen, die im Material liegen, gibt eine fotografische Wiedergabe nur oberflächlich Auskunft, nicht jedoch darüber, was darunter liegt.

Insofern sind Fotoaufnahmen zur Aufklärung eventuell stattgefundener Vorgänge am Sarkophag Ludwigs II. als Beweismittel völlig unzureichend. Der “Fototrip der Royalisten” (sprich: Guglmänner) damals im Mai 2000, war also stümperhaft und somit unprofessionell durchgeführt worden. -



Analysen zur Zusammensetzung einer bestimmten Masse, die nach Kriegsende, also erst nach 1944/1945, vermutlich für Reparaturen am Sarg verwendet wurde, sind von einem B i l d allein nicht möglich! Auch die Farbe einer Substanz (Masse bzw. Material für Reparaturen) kann nur Vermutungen zulassen, ein Foto erlaubt jedoch noch nicht einmal eine zuverlässige Aussage über den Feuchtigkeitsgeahlt; lediglich entstandene Rißbildungen an der reparierten Stelle des Sarges können auf Austrocknung einer verwendeten Masse rückschließen lassen, mehr nicht!

All diese fachlichen Auskünfte hinsichtlich des Sarkophags Ludwigs II. erhielt ich in längeren Gesprächen als auch in einer schriftlichen Ausarbeitung von Dr. Kurt Osterloh, Chemiker bei der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -Prüfung BAM, Laboratorium: Durchstrahlungsverfahren. Diese Abteilung ist bestens auch für stationäre und auch für mobile Durchstrahlungsverfahren (beispielsweise in der Fürstengruft der Sankt Michaelskirche) gerüstet. In einem entsprechend eingerichteten analytischen Labor könnten chemische bzw. metallurgische Untersuchungen durchgeführt werden. Dr. Osterloh ist Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker GDCh.



Auf folgendes möchte ich noch besonders aufmerksam machen: Die nach Kriegsende durchgeführte Reparatur zur Beseitigung undichter Stellen am Unterboden des Sarkophags Ludwigs II. läßt nach neuesten Recherchen den Schluß zu, dass es sich dabei um Korrosionsschäden gehandelt hat, also Löcherbildung. Die Ursache dieser Schäden ist wahrscheinlich auf das Leichenwasser zurückzuführen; der Mensch besteht zu rund 2/3 aus Wasser - und so müssen etwa 50 Liter Wasser irgendwo verbleiben. Das Wasser ist alles andere als rein zu bezeichnen, es enthält Stoffwechsel- und Fäulnis- Produkte, die somit nach vielen Jahren eine Korrosion begünstigen können. Wenn ein unedles Metall mit (möglicherweise saurer) wässriger Lösung zusammen kommt, sind die Voraussetzungen für eine Korrosion nach Durchsickern des Leichenwassers immer gegeben. Für die Untersuchung der unterschiedlichen Zusammensetzung des Leichen- wassers wäre ein Pathologe zuständig.

Am Beispiel des Prunksarges des Oberstallmeisters des Königs, Graf Maximilian von Holstein (gestorben am 1. Februar 1895 im Schwarzenfelder Schloß, beigesetzt am 4. Februar 1895 im erbauten Holnstein’schen Mausoleum zu Schwarzenfeld) zeigte es sich, dass nach all den Jahren auch der Prunksarg des Grafen am Unterboden eine starke Korrosion, hervorgerufen durch Leichenwasser, aufwies. Die Sargöffnung zur Durchführung der dringenden Reparatur erfolgte in den 80er Jahren, also vor etwa 25 Jahren; die darüber gefertigten Fotoaufnahmen während der Reparatur zeigen deutlich die sehr starken Beschädigungen (große Löcher) am Sargunterboden. -



Übrigens im Jahre 1952, nachdem die neuen Bodenplatten gelegt wurden, ließ Kronprinz Rupprecht von Bayern in der Königsgruft alles ändern und instandsetzen; den Wittelsbacher Hausarchivar Hans Rall beauftragte er, mit ihm die Aufstellung und Anordnung der Särge neu durchzuführen. Gegenüber dem Altar in der Gruft liegt König Ludwig II., der heute wohl volkstümlichste und bekannteste Wittelsbacher. Ihm verdankt Bayern sein Ansehen in derWelt!


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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