König Ludwig II. - aktuell | Das Internet-Magazin für
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Aktuelles 16

Mordfall Ludwig II.:

"Des Märchenkönigs Tod kam barmherzig -

und es blieb dem König vieles erspart ..."

Leseprobe aus Erika Brunners spannende Biografie:

"Der tragische König - Leben und Tod König Ludwigs II. von Bayern"

… Es blieb ihm, König Ludwig II. von Bayern, erspart: die Ermordung Sisis, den Tod Rudolfs, Naturalismus und Verismo auf der Bühne, Weltkrieg, Umsturz und Republik zu erleben. Wie bitter wäre selbst unter günstigsten Umständen dieses Menschen Alter geworden!...

Dass man seine Schlösser schon im August 1886 der von ihm befürchteten Profanierung preisgab (Eintritt 2 Reichsmark) und Kainz oder seine Frau nichts Eiligeres zu tun hatten, als seine Briefe meistbietend zu veröffentlichen, dass seine Tagebücher ebenfalls veröffentlicht wurden und dazu in eindeutiger Absicht, wozu Verfälschungen, Umstellungen des Textes, Verstümmelungen vorgenommen wurden mit diffamierenden Kommentaren im Sinne der abscheulichen, verlogenen Regierungsversionen - wen nimmt es wunder? Dass manche Kommentatoren sich bei der “Entschlüsselung” der Tagebücher ebenso bis auf die Knochen blamierten wie Dr. Müller mit seinem Urteil über Neuschwanstein, weil sie nicht einmal die Literaturzitate als solche erkannten und damit ihre Wahnsinnstheorie zu erklärten suchten, sei nur am Rande vermerkt. Man könnte angesichts dieser Vorfälle wie der König an der Menschheit verzweifeln - wenn Gott nicht auch in unserer Stunde wirksam werden könnte.

Wie der Tod Ludwig von einem für ihn sinnlos gewordenen Leben des Leides befreite, so schufen die Diskriminierungskampagne und die Profanierung seiner Schlösser und schriftlichen Zeugnisse etwas, was seine Gegner niemals wollten - Vermittlung.

Wir wissen heute wesentlich mehr von Ludwig II. als seine Zeitgenossen, die nie seine Schlösser betraten, weder Korrespondenz noch Tagebücher kannten, nicht die Aussagen von Augenzeugen. Vielleicht kennen wir ihn heute sogar besser als Richard Wagner, dem ja auch nur Ausschnitte dieses Lebens zugänglich waren. Für die Mitwelt blieb er ein Abwesender oder der Märchenkönig seiner Gebirgsbauern, eine schattenhafte, rätselvolle Gestalt im goldenen Schlitten, ein engelschöner Jüngling, zu dessen Fenstern Münchens Mädchen sehnsuchtsvoll hinaufstarrten, oder ein bleicher, massiger Mann in dunklem Hut und Mantel, über dessen eigentümlichen Schritt sich die Passanten moquierten …

Die Bedeutung Ludwigs II. ist dem ausländischen oder jugendlichen Erst-Besucher meist noch nicht bewusst. Wie sehr man auch den Touristenrummel der Schlösser im Sinne Ludwigs beklagen mag, welch verletzende Bemerkungen Schloßführer sich oft bis zur Grenze ihrer psychischen Kraft anhören müssen - hier im Schloß ist es, wo die erste, die direkte Begegnung mit Ludwig zu erfolgen pflegt. Denn die Schlösser sind eben nicht nur Objekte der Neugier, sondern für nicht wenige Menschen aller Länder und Kulturen Stätten der Begegnung mit Ludwig und seinem Schicksal - und damit mit sich selbst.

Die Geschichte ist trotz aller Umwälzungen, die ihm feind sind, nicht über ihn hinweggegangen. Der Kampf seiner erbarmungslosen Kritiker und seiner glühenden Bewunderer tobt weiter wie vor mehr als hundert Jahren. Ludwig II. ist mehr als ein Stück altbayerischer Folklore, mehr als werbewirksamer Magnet für Bayerns Touristenbranche. An ihm scheiden sich die Geister.

Von der Parteien Haß und Gunst verzerrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte …

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Das spannende 700seitige Buch von Erika Brunner “Der tragische König” ist vor wenigen Wochen anlässlich des bevorstehenden Todestages im Jahre 2011 erschienen.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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