König Ludwig II. - aktuell | Das Internet-Magazin für
Forschung & Information.


Aktuelles 7

„Nach allem, was ich durch meinen Vater erfahren habe, bleibt der Tod des Königs für mich eine gnadenvolle Erlösung aus der unvorstellbaren Qual eines Weiterlebens...“, das schrieb einmal Franziska Freifrau von Godin, geb. Gräfin von Feilitzsch, Tochter des damaligen bayerischen Innenministers, Max Freiherr von Feilitzsch.

Wie recht hatte doch die Tochter des Innenministers, als sie damals diese Worte schrieb. Nun, Ludwig II. wurde tatsächlich erlöst vom Leben, vom weiteren Leben..., denn beispielsweise heute, im 21. Jahrhundert, wäre der König noch unglücklicher gewesen.
In dieser heutigen liberalen und rauhen Zeit sind Menschen wie Ludwig II. absolut gefährdet.
Man bedenke dabei: Macht liegt immer in den Händen der sogenannten Außengesteuerten, der Realpolitiker, die ihre Herrschaft auf die Kooperation der Konformisten stützen, egal wie diese Politiker/rinnen oder Manager großer Konzerne heute alle heißen mögen.

Machtgier und Rentabilität ist hier das oberste Gebot!

Und der Romantiker wie Ludwig II. erscheint in dieser heutigen Welt als unverbesserlicher Träumer, weil die Innenwelt sein eigentlicher Lebensraum ist.
Und so ist auch sein Interesse für die von Kapital und Tagespolitik bestimmte Außenwelt sehr gering.
Ludwig II. äußerte einmal: „Ich bin einfach anders gestimmt als die Mehrheit meiner Mitmenschen. Ich kann nicht teilnehmen an dem was sie Vergnügen nennen, denn es widert mich an und zerstört mein Wesen!“

Doch der Romantiker wie Ludwig II. hütet einen metaphysischen Schatz, den die Realisten nicht kennen und für überflüssig halten.
Den Romantiker bedroht auch nie die Langeweile, die aber für die Außengesteuerten Herren und Damen des Staates und Marktes zur großen tödlichen Gefahr werden kann, wenn ein Amt oder ein Machtposten verlorengeht oder die Pensionierung eintritt.

König Ludwig II. würde heute vor Fernsehkameras flüchten - und er müßte seine Schlösser ständig nach Wanzen absuchen lassen.
Sein geliebtes Theater hätte Ludwig II., der große Theaterkönig, ganz sicher verloren, denn dessen ständige zeitgeistgerechte Innovationen, die hektische Änderungswut und permanente Umwertung aller Werte hätte ihm das genommen, was er durch Wieder-Holung zu bewahren suchte.
Die heutigen, teilweise geschmacklosen, stillosen Aufführungen in den Theatern und Opernhäuser würde Ludwig II. abschrecken; hier nur einige Beispiele: Wotan in Nadelstreifen / Isolde kostümiert wie Frau Schmidt von nebenan / Maria Stuart im T-Shirt / in Wagners Holländer: Sex der Gespenster mit Skeletten - und Senta schneidet dem Holländer die Kehle durch ... / Original-Handlungen werden entweder verfälscht oder verstümmelt.

Auf den heutigen Bühnen regiert nur noch eigenmächtiges Umschreiben der Handlungen: wer stirbt, wer weiter lebt - bestimmt der Regisseur!
Die vom krankhaften Geltungstrieb gezeichneten bzw. heimgesuchten Werkeschänder, sprich: Regisseure, beherrschen derzeit unsere Bühnen.
Diese Schänder mißbrauchen auf übelste Weise das wertvolle Kulturgut der Vergangenheit; die Schänder werden der Würde der Werke nicht gerecht. Und die Würde der Werke zu zerstören, wird immer mehr Mode!
Ludwig II., der große und wahre Theaterkönig seiner Zeit, legte aber gerade großen Wert auf die Aufführung des unverfälschten Original-Werkes!
Zu den jährlich stattfindenden Bayreuther Festspielen, überwiegend nur noch einzustufen als Ort des Gesehenwerdens, der ausgreifenden Garderobe und des Schmuckbehanges, würde Ludwig II. wohl bestimmt nicht erscheinen; Gaffer und Fotografen würden ihn ständig belästigen.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß es ohne Ludwig II. die Bayreuther Festspiele nie gegeben hätte; auch gäbe es nicht die Opern Tristan und Isolde, Meistersinger von Nürnberg, Ring des Nibelungen und Parsival.
Ludwig II. holte den völlig verarmten und von Gerichtsmedizinern gehetzten Richard Wagner nach München, investierte für seinen Aufent- halt nach heutiger Währung 1 Million Euro - und nur so war es dem Tondichter möglich, die vorgenannten Musikdramen zu schreiben. Ludwig II. gilt somit als der Retter Richard Wagners und Produzent seiner Opern einschließlich aller Aufführungen. Über Ludwig II. als Mäzen schreiben und sprechen leider nur wenige Menschen.

Warum hätte der Romantiker König Ludwig II. im 21. Jahrhundert keinen Platz in unserer Welt, keinen Platz in unserer Gesellschaft, warum würde er noch unglücklicher werden?
Die heutige liberale Gesellschaft verfügt über andere Strukturen als die des 19. Jahrhunderts. Insofern ist heute ein völliges Abweichen von der Norm von damals festzustellen.

Wir haben es überwiegend mit zwei Extremen zu tun:

Die Menschen des 21. Jahrhunderts wollen
ihre Individualität in jeder Form ausleben.

Und Gleichgeschlechtliche sind heute in,
weil man durch sie einer interessanten
Minderheit angehört.

Zu Ludwigs Zeiten - und sogar bis tief in das 20. Jahrhundert hinein - wurde die Abweichung von der Norm, also nicht nur im Denken, sondern vor allem auch im Empfinden und Bedürfen, gesellschaftlich geächtet.
Infolgedessen verschlossen die Menschen, so auch König Ludwig II., ihr wahres Selbst hinter der Maske der Anpassung.
Der König erlebte sich in starre Rollen gepreßt, während zugleich unerträgliche öffentliche Kontrolle darüber wachte, ob er den Erwartungen
gerecht wurde - und die Neugier, genau wie heute noch, darauf lauerte, in der Intimsphäre menschlich Vertrautes - und am
liebsten Versagen - zu entdecken. Und so wurden Monarchen ständig argwöhnisch und sensationslüstern beobachtet.
Und so sagte Ludwig II. einmal: „Jede Berührung mit der Welt verletzt mich ... Gesellschaft ist mir entsetzlich und ich halte mich ihr fern ...“

Entsetzlich wäre für Ludwig II. auch die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Es beginnt schon mit den Talkshows; in diesen Sendungen dürfen ja heute die gegensätzlichen Meinungen - oft in dümmster Weise - vertreten werden, ohne daß der, der sich outet Konsequenzen befürchten muß.
Und in anderen TV-Sendungen, wo Menschen freiwillig auf jegliche Intimsphäre verzichten und sich somit zu Schau-Objekten der Öffentlichkeit machen, einer Öffentlichkeit, die auf dem Bildschirm ihresgleichen sehen will und, anscheinend selbst ausgebrannt, nach authentischen Gefühlen und Leidenschaften anderer hungert.
Diese Menschen, von Geldgier und krankhaftem Geltungsbedürfnis getrieben, sind zu dieser Selbstdarstellung nur fähig, weil sie wissen, daß ihre Schwächen, sogar ihre blamable Unbildung, zumindest Halbbildung, sofort zum Güte- und Markenzeichen aller Gleichgesinnten wird.
Und die Unterhaltungsindustrie schickt ja immer schrillere Typen, die sich sogar Künstler nennen, auf die TV-Bühne, und die schrägsten, unmöglichsten Vögel - Originalität um jeden Preis! - werden für das erregte Medieninteresse sogar noch mit den dicksten Honoraren belohnt!
Wer heute n i c h t auffällt, schrill und ungepflegt, fällt bei der heutigen niveaulosen Unterhaltungsindustrie durch!

Und so leben wir heute in einer Gesellschaft, die zwar einerseits offener und toleranter ist als die der vergangenen Jahrhunderte, andererseits hat aber diese heutige Gesellschaft weitgehend die wahren sittlichen Werte völlig verloren.
Kinder und Jugendliche trinken immer mehr Alkohol - aus Frust; sie sehen keine Zukunft mehr und wahre Vorbilder in dieser Gesellschaft kennen sie nicht.

Und Ludwig II., der sich in der Vergangenheit, in seiner Welt zu Hause fühlt, wäre verloren in einer nur noch auf Zukunft hin orientierten Welt, die sich in ziellosem Erneuerungsrausch ständig selbst verstümmelt und alles ersetzbar macht.

Ludwig II., der König im Wunderreich der Nacht, der Poesie, der Träume, der unstillbaren Sehnsucht nach Sinn, nach Transzendenz, gehört nicht in die Welt des Tages.
Er gehört nicht in unsere rauhe Welt!

Und wenn sich der Allmachtswahn technischer und biologischer Omnipotenz als enttäuschend - und die totale Vermarktung des Lebens als destruktiv enthüllt haben, wird vielleicht eine n e u e G e n e r a t i o n ebenfalls wieder-holen, was war und unwandelbar bleiben sollte.

König Ludwig II. ist also unzeitgemäß wie eh und je - und darum:
u n v e r w e c h s e l b a r e r s e l b s t!

Ludwig II. ist somit kein Erfolgsmensch. Einfacher Grund: er paßt nicht in unsere machtbesessene Welt.
Aus der Sicht der Machtbesessenen, der gierigen, maßlosen und arroganten Kapitalisten: ein G e s c h e i t e r t e r!

Aber es gibt wieder Lichtblicke in unserer bösen Zeit: Gefühl und Romantik ist bei vielen Menschen, vor allem bei jungen Menschen, wieder angesagt. Sie schätzen diesen König als Bauherr, Theaterkönig, Freund der Literatur und schönen Künste.
Und so erinnere ich an dieser Stelle an die geistige Atmosphäre einer Epoche im 19. Jahrhundert; sie war von vier großen Gestalten geprägt:

Wagner - Liszt - Chopin - und Ludwig II.

Diese Persönlichkeiten stehen unverkennbar für die Merkmale der Romantik. Um es hier gedrängt zu fassen: Wagner symbolisiert die Erlösung, Liszt die Liebe, Chopin den Schmerz und Ludwig II. die Illusion.
Der König sah in allem nur die Schönheit, mit den Augen der Liebe. Dieser schüchterne, errötende Schöngeist war ein Mensch des Friedens - ein wahrer Friedenskönig!

Viele Menschen, die Ludwig II. nicht persönlich kannten, natürlich nicht, aber über ihn in guten Biographien gelesen haben, werden doch das Gefühl haben, ihm so nahe zu sein wie einem Freund, teilzuhaben an seinem tragischen Leben.
Und so werden sie auch am 25. August wieder seine zauberhaften Schlösser besuchen und an Feierlichkeiten zum 163. Geburtstag des Märchenkönigs teilnehmen.

Und so schließe ich mich ebenfalls als Gratulant mit den Worten an: Herzlichen Glückwunsch, lieber Ludwig. Du lebst weiter - in unseren Herzen!
_____________________

Seit Juni 2008 erhältlich: Das neue, spannende Buch von Peter Glowasz „Der Tod am Starnberger See - Die Aufklärung der Todesursache König Ludwigs II. von Bayern“.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



nach oben | Admin



stats