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Kolumne 11

Im echten Stil der deutschen Ritterburgen wollte Ludwig II. die Burgruine Vorderhohenschwangau wiederhergestellt haben; dies ging aus einem Brief an Richard Wagner vom 13. Mai 1868 hervor.
Angeregt wurde er durch frühe Pläne seines Vaters, Maximilian II. und durch eine Reise im Jahre 1867 nach Eisenach, wo er mit seinem Bruder Otto die restaurierte Wartburg besichtigte. Kurze Zeit danach fuhr er nach Paris zur Weltausstellung; dort lernte er den Architekten Napoleons III., Viollet le Duc, kennen. Der Architekt zeigte dem König Schloß Pierrefonds; diese ehemals mittelalterliche Burgruine wurde von le Duc restauriert.
Ludwig II. war beeindruckt von diesen Bauten und ging dann an die Planung seiner eigenen Burg Hohenschwangau (Neuschwanstein), die aber nicht nur das Mittelalter, sondern auch die Sagenwelt der Werke von Richard Wagner beinhalten sollte.
Um dieses Bauwerk zu realisieren, mußten erst einmal die letzten Reste der Ruine abgetragen und der etwa 8 Meter gewachsene Fels gesprengt werden. Erst somit war die Grundfläche gegeben, die den Bau überhaupt ermöglichte.
Die Konstruktion sollte vor allem in konventioneller Bauweise aus Backstein errichtet werden, der dann später durch andere Gesteinsarten zu verkleiden war.
Um nun den Transport einer enormen Masse an Baumaterialien an die Baustelle zu erleichtern, wurde am westlichen Ende der Plattform ein Gerüst errichtet und ein Dampfkran aufgestellt, der das Material zur Baustelle heraufzog.
Eine weitere Lokomobile, und dies war eine technische Neuheit, sorgte für technische Erleichterung auf der Baustelle selbst. Der damals neu gegründete Dampfkessel-Revisions-Verein überprüfte regelmäßig diese beiden Kessel auf ihre Sicherheit.
Aber nicht nur diese Maschinen sind beim Bau von Schloß Neuschwanstein als technische Neuerungen zu verzeichnen, noch viel interessanter sind die technischen Einbauten, die den Bau selber betrafen und die heute immer noch, wenn auch für die Besucher nicht sichtbar, vorhanden sind.
Ludwig II. wollte bezüglich der technischen Ausstattung den neuesten Stand der Zeit nicht missen. Statt romantisch knisternder Kaminfeuer wurden seine Räume durch praktische, vom Nebenraum her zu befeuernde Kachelöfen beheizt. Ein Speiseaufzug sorgte dafür, daß die Speisen auf dem Weg von der Küche zum König nicht kalt wurden. Eine batteriebetriebene Klingelanlage hielt die Dienerschaft auf Trab, und die Küche dürfte auch heute noch das Herz von so manchem Küchenchef höher schlagen lassen.
Das wohl interessanteste Gerät war hier der kleine Rumfortherd, der den Spieß durch Eigenwärme in Bewegung setzte und somit seine Umdrehungen dem Grad der Hitze ständig anpassen konnte. Er soll so gut funktioniert haben, daß auch noch ein zweiter, größerer installiert wurde.
Ein weiterer, sehr interessanter Einbau wurde im Bereich des Heizungswesens verwirklicht. Neuschwanstein verfügt zum Beheizen der großen Räume wie dem Thronsaal über eine perfekt ausgeklügelte „Calorifère-Heizung“. Sie ist nach wie vor existent, was die Rekonstruktion ihrer Funktion ermöglicht.
Der eigentliche „Calorifère“-Raum ist komplett ummauert und nur durch eine kleine Eisentür zugänglich. In ihm befinden sich Ofen, Fuchs mit Rauchrohr und Verdunstungsrohr. Befeuert wurde der Ofen von einem Vorraum aus. Der heiße Rauch wurde durch das Rauchrohr geführt und erwärmte dieses, das dann wiederum die sich im Raum befindliche Luft aufwärmte, die über Warmluftkanäle in die Räume geführt wurde. Von unten her wurde von außerhalb wieder Frischluft zugeführt, regulierbar durch einen Frischluftschieber. Um eine zu trockene Luft in den zu beheizenden Räumen zu vermeiden, sind in den calorifèren Raum halbzylindrische Rohe eingelassen. Sie wurden mit Wasser gefüllt und regelten so die Luftfeuchtigkeit. Klappen in Verbindung mit den Rohrschlangen konnten von außen geöffnet werden und dienten der Rohrreinigung. Gleich neben dieser Heizungsanlage, der Raum liegt unmittelbar am Bade, befindet sich der Warmwasseraufbereiter, ein genieteter Doppelwandkessel der liegend im Zylinder befeuert wurde. Ähnliche Kessel gab es auch in den Schlössern Linderhof und Herrenchiemsee, das im übrigen über die gleiche „Calorifère-Heizung“ wie Schloß Neuschwanstein verfügte.


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