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Kolumne 16

Auch auf dem See brachte die Kaiserin bei günstiger Witterung einige Stunden zu. Sie ließ sich außer den zum Hotel gehörigen Kähnen in einem dem Großbrauereibesitzer und Komerzienrat Herrn Gabriel Sedlmair eigenen Fahrzeugen in die blauschimmern- de Flut hinausfahren. Herr Sedlmair war damals Besitzer hiesigen Anwesens Haus Nr. 16, das er zuerst durch einen Verwalter, dann durch einen Pächter bewirtschaften ließ.

Den Kahn, der mit weichen Sitzen und sonstigen Bequemlichkeiten ausgestattet war, lenkte viele Jahre der Hausmeister Michael Ernst, unterstützt von Max Lenz, dem später tödlich verunglückten Postboten.
Im Zusammenhang mit den Vorgenannten sei auch ein Erlebnis der Kaiserin in dieser Erzählung festgehalten, das in die Zeit vor ihrem Aufenthalt in Feldafing fällt. Jung verheiratet wagte sich die Kaiserin von Possenhofen auch einmal im Kahn ohne Schiffer und sonstige Begleitung in den See hinaus. Unerwartet trat Wind ein und als die Kai- serin nahe der Mitte des Sees war, wuchsen die Wellen mit der zunehmenden Stärke des Windes. Ägidius Hirn, ein Fischer von Possenhofen, der am Ufer beschäftigt war, merk- te, daß die Kaiserin mit dem Schiff nicht mehr zurecht kam. Rasch ruderte sofort hinaus, nahm seinen Kahn ins Schlepptau und stieg dann in den Kahn der Kaiserin. Hirn mußte selbst alle seine Kräfte aufbringen, um das Boot dirigieren zu können. Doch glücklich erreichten beide das Ufer. Die Kaiserin war voll des Dankes, daß er als Retter erschienen sei und ließ ihm durch ihren Sekretär eine kaiserliche Belohnung zukommen. So oft sie zukünftig ihrem Retter begegnete, nannte sie ihn nur mit dem Taufnamen und erkundigte sich fleißig nach seinem Befinden und wie es ihm sonst gehe.
Während ihres hiesigen Aufenthaltes veranstaltete die Kaiserin eines Tages für ihre Gäste eine zweimalige Rundfahrt auf einem dazu bestellten Dampfer. Das zur Bewirtung erforderliche Geschirr lieferte wieder die kaiserliche Küche. Während des Diners konzertierte eine Münchener Militärkapelle. Da die Schiffgesellschaft über die Fahrt sehr entzückt war, ließ die Majestät eine zweite Fahrt anordnen. Wegen eingetretener, länger dauernder schlechter Witterung mußte diese jedoch abgesagt werden. Später kam sie dann überhaupt nicht mehr zur Ausführung.
Kaiser Josef, ihr Gemahl, traf einige Male hier ein und verweilte längere Zeit in Feldafing. Gleichzeitig wohnten dann auch andere Hoheiten in den Villen des Ortes, so König Franz von Neapel und der Herzog von Alencon in der Villa Krauss, Herzog Ludwig in der Villa Pschorr, Fürst von Thurn und Taxis in der Villa Maffeied. Bei der Gelegenheit wurde dann große Tafel gehalten.
Von den Besuchern, die die Kaiserin hier 1882 besuchten, ist auch der Sohn und Thronfolger von Rudolf mit Gemahlin Stephanie zu erwähnen.
Bei Anwesenheit dieser hohen Herrschaften wurde Feldafing das Ziel besonders vieler Fremden, von denen jeder das Kaiserpaar zu sehen hoffte. Vor dem Hotel und im Hotelhof hatten sich viele Menschen versammelt, um das hohe Paar beim Ausreiten sehen zu können; doch ihr Warten war vergeblich, so daß die Neugierde unbefriedigt blieb. Die hohen Herrschaften hatten unbemerkt hinter der Stallung ihre Pferde bestiegen und waren zum Dorf hinausgeritten. Hier sei kurz erwähnt, daß die Kaiserin nach dem Ritt zu Hause ihrem Pferd eigenhändig gelbe Rüben und Zucker reichte; die Leckerbissen mußte ein Pferdewärter auf einen Teller bereit halten.
Ebenso kam das fremde Publikum nicht auf seine Kosten, als der Kronprinz Friedrich von Preußen die Kaiserin besuchte. Denn die Kaiserin ließ ihre Equipage vor der Kirche halten, verließ mit ihrem Gast dort den Wagen und benutzte einen rückwärtigen Zugang zum Hotel.
Sehr freute sich die Kaiserin, wenn König Ludwig II. von Bayern sie besuchte. Immer wenn sich die Kaiserin im Hotel Strauch aufhielt, erschien Ludwig II. um Mitternacht zur Begrüßung; besonders während der Jahre 1870 bis 1885, als der König auf Schloß Berg weilte und häufig auch zur Roseninsel herüberkam. Mit einem Schiff landete der König immer am Steg, wo es zur Überfahrt auf die Roseninsel ging. Dort wurde er von einem Zweispänner erwartet und im scharfen Galopp ging es durch die Anlage zum Hotel. Es war diese späte Stunde gewählt worden, als niemand unterwegs war. Von der Ankunft des Königs durfte ja niemand etwas erfahren, nur Herr Strauch, um die erforderlichen Anordnungen zu treffen.
Der König weilte regelmäßig, etwa eine halbe Stunde, bei der Kaiserin bei Tee in anregender Unterhaltung. In rasendem Tempo brachten ihn die Pferde dann wieder zurück zur Landungsstelle, wo das Schiff schon wartete.
Der Kaiserin zu Ehren gab es auf der Roseninsel so manches Souper...

- Ende des zweiten Teiles -




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