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Kolumne 20

Der Schauspieler O. W. Fischer
spielte hervorragend
den Märchenkönig Ludwig II. von Bayern
in dem
Helmut Käutner-Film: „Ludwig II.
Glanz und Ende eines Königs“

Die Zeitungsschmierer von 1886 und diejenigen, die König Ludwig II. in den Tod getrieben hatten, wären erstaunt, zu lesen, was der überzeugendste Ludwig II. Darsteller O.W. Fischer über Seine Majestät schrieb:
„Ein edel Idealgesinnter wurde in eine Welt der ihn nicht Verstehen-Wollenden gestellt, in ein Reich der Mißgunst und Unwahrheit gepreßt, um dort nicht nur Mensch, sondern König sein zu müssen. Und trotzdem, etwas Wunderbares begann sich in diesem begnadeten Leben abzuzeichnen: geboren aus Wahrheit, Reinheit und Liebe nahm der Wunsch in diesem Manne Gestalt an, mit friedlichen Mitteln der Welt den Fortschritt zu bringen und die Menschen zueinander zu verbessern. Das Königliche dieses Lebens wurde offenbar: ein Mensch strebt gewaltlos, den Krieg hassend, die Natur und Kreatur ehrend, nach dem Schönen, Edlen, nach dem Großen.
Ein einsamer, dornenreicher Weg zum Höchsten und Letzten in dieser Welt, zu Gott, gestaltete sich zu einem Verzweiflungskampf, der seinesgleichen sucht. Und jener Kampf, sich die Unsterblichkeit zu verdienen, führte Ludwig mit den Waffen des Edelmuts, der Güte, schließlich der Entbehrung und des Verzichtes.
Diese Verkörperung des ‚Parzifalischen’ ging bei Ludwig II. über die Entsühnung seines eigenen Lebens hinaus: er ersehnte ‚aus Mitleid wissend’ die Freiheit von Furcht, Not und Tod für seine ihm durch die Krone Anvertrauten; sein Leben verzehrte sich in dem Gewollten, den Menschen, die leidtragend die Lebensbahn ziehen müssen, einen Weg zu weisen, der von den Geißeln des Eigennutzes, der Angst, Mißgunst und schrankenlosen Leidenschaften befreit.
So glaube ich, daß dieser unwirklichste und trotzdem wahrhaftigste letzte König Bayerns wie nur selten ein König und mehr noch ein Mensch verdient, bewundert und geehrt zu werden.“

Prof. Otto Wilhelm Fischer, Filmschauspieler.

O.W. Fischer wurde für seine Ludwig II.-Darstellung der Bundesfilmpreis 1955 (Filmband in Gold) verliehen - und Kronprinz Rupprecht gewährte ihm eine Audienz in Schloß Nymphenburg. Für O.W. Fischer war das die Krönung seiner schauspiele- rischen Laufbahn.
An der Seite von Fischer spielte die unvergessene Ruth Leuwerik die Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt:‚Sisi’; die Schauspielerin lebt heute, über 80jährig, in München.
Klaus Kinski sah man in der Rolle des Prinzen Otto (der Bruder Ludwigs II.). Seit 1956 wird der Film immer wieder in den Kinos gezeigt. Einziger Makel an diesem Film: das gezeigte Ende des Königs in dem Film (Selbstmord) entsprach keinesfalls der Wahrheit. Heute wissen wir, daß König Ludwig II. von Bayern erschossen wurde.

O.W. Fischer hat sich zu dem Film folgendermaßen geäußert: „...Ich verdanke diesem König viel. Da ist Merkwürdiges in mir vorgegangen und in vielen anderen Leuten. Ich habe einige Szenen für den Film selbst entworfen - und dazu habe ich auch längere Gedichte geschrieben. Damit wollte ich Ludwigs Frömmigkeit stärker in den Vordergrund stellen. Käutner hat aber diese Passagen gestrichen...“

O.W. Fischer besaß einen herrlichen Landsitz: Castello die Pescatori (zu Deutsch: Fischerburg) hoch über dem Luganer See. Und wie begann Fischers Tag: er wachte um sieben Uhr auf. Dann ‚redete’ er mit den drei Ahornbäumen vor seinem Fenster. Ging es ihm schlecht, blieb er im Bett und schaute in den Himmel. Ging’s ihm gut, spazierte er in seinem 14000 Quadratmetern großen Park. „Mein Grundstück verlasse ich kaum noch - das erspart mir so manche Enttäuschung...“, erzählte mir O.W. am Telefon. Zu dieser Zeit schrieb er wieder an einem Buch; Einzelheiten hat er mir nicht verraten.

Meine weiteren Erinnerungen an ein Telefongespräch mit dem Schauspieler, wenige Wochen vor seinem Tod:
Zunächst erhielt Herr Fischer im September 2003 mein Ludwig II.-Buch „Herrlichkeit und Tragik eines Märchenkönigs“ mit einem langen erklärenden Brief dazu.
Nach einigen Wochen rief ich bei Herrn Fischer an, um mich zu vergewissern, ob das Buch bei ihm tatsächlich angekommen ist.
Ich hatte Glück, Herr Fischer war selbst am Telefon - seine Stimme war schwach und wirkte gebrochen. An die Buchsendung konnte er sich sofort erinnern, bemerkte aber sogleich, daß er das Buch noch nicht gelesen hätte; er versprach aber dies bald zu tun - er würde mir dann schreiben und sich zu dem Buch äußern.
Im Verlauf des etwa 10 Minuten dauernden Gespräches sagte er, daß seine Arbeit und seine Tage, die er noch hätte, dazu da sind, für möglichst viele junge Menschen etwas niederzuschreiben, um ihnen die Lebensangst zu nehmen. Es gäbe keinen Tod; es gibt die Unsterblichkeit - wir gehen einfach in die Luft und kommen wieder ...
Herr Fischer sagte mir, daß er gern den bayerischen König Ludwig I. im Film dargestellt hätte. Ludwig I. wäre ein König gewesen - ohne König zu sein. Für Fischer wäre auch so eine Darstellung besonders reizvoll gewesen, weil es dann im Film eine Begegnung mit Goethe gegeben hätte. Fischer bemerkte auch, daß Ludwig I. kein Opfer der Lola Montez war, eher umgekehrt.
Für Herrn Fischer war „Ludwig II.“ von Helmut Käutner nicht der liebste Film, vielmehr aber der Film „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler.
Zu Ludwig II. äußerte Fischer weiter: „Ich glaube, daß Ludwig II. - ein verlorenes Wesen in dieser Welt, ein einsamkeitssuchendes Geschöpf - auf mich zurückgestrahlt hat - und mich in gewisser Weise dann auch selbst infiziert hat.
Und nur so war es mir möglich, mich in dieses Wesen zu verwandeln. Vor allem im letzten Teil des Films fühlte ich mich ganz in dieses Wesen verwandelt. Ein großartiger Stoff, doch der Film gab nicht alles her. Durch eigene zusätzliche Texte wollte ich den Film noch bereichern, doch Käutner ließ dies nicht zu.“
Fischer weiter: „Ich habe Regisseure nie gemocht. Regisseure sind Hebammen, aber keine Mütter. Das wirklich aufregendste am Schauspielerberuf ist das fertige ‚Gedeck’ – und das überzeugendste ist der Dichter, der Autor und nicht der Regisseur. Die Regisseure habe ich in den meisten Filmen als ‚Krafthuber’ kennengelernt. Das sind Männchen, die ein wenig die Fruchtbarkeit verloren haben und sich aufpudeln. Kraft dieser Leute war ihre List; die haben die Kapazität gehabt, dem Darsteller dauernd einzureden, daß alles was sie empfehlen von ihnen kommt.
Das Geheimnis meiner Frühkarriere ist, daß ich immer das geschrieben und gesagt habe, was mir gefällt - und nicht was anderen gefällt.
Für den Rest meiner Tage möchte ich mit meinen Katzen allein bleiben. Meine Frau ist gestorben, aber sie ist nicht tot. Ich führe stille Gespräche mit ihr. Denn das was sich liebt, sich auch ruft.“
Am 22. Dezember 2003 habe ich dann von Herrn Fischer einen kurzen Brief erhalten. Frau Sina Dobermann, Agentin des Schauspielers, rief mich an und sagte: „Herrn Fischer geht es sehr schlecht, er kann kaum noch schreiben. Bitte haben Sie dafür Verständnis...“
Herr Fischer schrieb mir:
„Lieber Herr Glowasz,
die Ludwigs bleiben als Segen für ein Schillern und Leuchten einer Persönlichkeit bestehen. Das Buch ist glänzend geschrieben.
Ihr alter
O.W. Fischer.“

Nur wenige Wochen nach dem Empfang dieser liebenswerten Zeilen starb der Jahrhundertschauspieler am 1. Februar 2004, 22.30 Uhr, im Alter von 88 Jahren in einer Klinik, ganz in der Nähe seiner romantischen ‚Fischerburg’.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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