König Ludwig II. - aktuell | Das Internet-Magazin für
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Kolumne 8

25. August 2007:
162. Geburtstag
König Ludwigs II. von Bayern


Eine Huldigung
von
Peter Glowasz

Herzlichen Glückwunsch, lieber Ludwig dort droben! Wir, die wahren Freunde spüren, das Du, lieber Ludwig, doch ganz in unserer Nähe bist.

Am Vorabend des Ludwigtages wird, wie in jedem Jahr, des Königs ehrend gedacht. Dies ist aber nicht nur der Vortag des Namenspatrons Ludwigs, des französischen Heiligen, Ludwig IX. (geboren 1214 in Poissy, gestorben 25.8.1270 in Tunis), sondern auch der Vorabend des Geburtstages von König Ludwig II. in Bayern, der 1845 in Schloß Nymphenburg das Licht der Welt erblickte.

Schon am Morgen des Sommertages am 24. August werden in den einzelnen Orten Bayerns, vor allem in Oberammergau, die letzten Vorbereitungen für das Ludwigsfeuer getroffen.
Und beim letzten Abendschein eröffnet dann die Musik mit dem feierlichen Choral Die Himmel rühmen das Ludwigsgedenken. Mit der Entfachung des Ludwigsfeuers erreicht die Ludwigfeier ihren Höhepunkt. Ringsum auf den Berggipfeln leuchten ebenfalls Feuer auf.
Während dann die letzten zuckenden Lichtflammen verlöschen, windet sich ein langer Zug von Fackelträgern vom Berg herab. In der Ortschaft warten die Dorfbewohner, die Gäste und Urlauber auf die Feuermacher und die Musiker. Unter heimatlichen Klängen, frohen Weisen und flotten bayerischen Märschen bewegt sich der lange Zug dem Dorfe zu.
Ludwig II. ist heute rund um den Globus der bekannteste deutsche Monarch - und er gewinnt in den Rollen als Theaterkönig, Bauherr und Friedensfürst immer mehr an Bedeutung.
Millionen Menschen aus aller Welt sehen in Ludwig II. einen guten, liebenswerten und hochintelligenten König - und auch Millionen Menschen besuchen alljährlich die einmaligen Schlösser-Bauwerke des Märchenkönigs.
Noch nie war Ludwig II. so weltweit populär wie heute!
Wie stolz kann eigentlich das Land Bayern auf König Ludwig II. sein - es verdankt doch diesem König eine Förderung seines Ansehens in der Welt!

Zu dem vorbildlichen Herrscherethos Ludwigs II. möchte ich hier folgendes ausführen: Während der Regierungszeit Ludwigs II. hatte sich die bayerische Bevölkerung mit zwei extrem gegensätzlichen Herrscherbildern auseinanderzusetzen, nämlich mit der Herrscherstruktur des Königtums von Gottes Gnaden - und der des Heldenkaisertums.
Und da prallten zwei gegensätzliche Weltanschauungen aufeinander.
Das Gottesgnadentum hatte sich nicht durch eigene Tüchtigkeit oder durch die Macht der Waffen errungene Vorteile verstanden, sondern als ein von Gott übertragenes Amt.
Dabei war das Handeln des Herrschers an das christliche Ethos gebunden - und man hatte sich vor Gott als dem Lehensherrn zu verantworten.
Diesem Herrscherbild des Gottesgnadentums haben sich über Jahrhunderte weg die Wittelsbacher Fürsten verpflichtet gefühlt.
Aus den Aufzeichnungen und Tagebucheintragungen Ludwigs II. erfahren wir, daß sich der König eindeutig zu dem Königtum vom Gottes Gnaden-Ideal bekannte.
Mit diesem Bekenntnis legte sich Ludwig II. aber auch persönliche Pflichten seiner Lebensführung auf, die von existentieller Bedeutung waren.
In Anbetracht von Ludwigs Bestrebungen für Idealisierungen, Etikette und Königswürde sowie seiner ständigen Angst, sich dem Begehren hinzugeben, weil es für ihn stets auch mit Trennung, Schmerz und Zurückweisung verbunden ist, kommt es bei den schwärmerischen Verliebtheiten wohl kaum zu mehr als schüchternen Liebkosungen. Und so spielt sich - wie so oft - auch alles nur in Ludwigs opulenter ästhetisch-optischer Phantasie ab.
Und so gelten in punkto Sinnlichkeit bei Ludwig die strengen Gesetze der mittelalterlichen Gralsritterschaft. Die Sehnsucht nach Liebe darf nur im Geistigen nachgegeben werden. Jede körperliche Erfüllung ist letztlich tabu. Ludwig bekämpfte streng moralisch alle sexuellen Regungen und verzweifelte, wenn es nicht immer gelang.
Wenn er sich für Menschen seines eigenen Geschlechtes glühend begeisterte, so erschienen sie seiner Phantasie wie die Gralsritter seines Jugendtraums, und die Enttäuschung war da natürlich vorprogrammiert. Doch seine Briefe an Frauen waren nicht weniger leidenschaftlich, und der französische Literat Guy de Pourtalés, der Einblick in die heute leider nicht mehr erhaltenen Briefe an die Schauspielerin Lila Bulyowski nehmen konnte, sagte, sie seien so glühend gewesen, daß sie vor Leidenschaft das Papier verbrannten!
Bis zum heutigen Tag gibt es nicht einen einzigen konkreten, verwertbaren Beweis dafür, daß Ludwig II. tatsächlich homosexuelle Handlungen vollzogen hat. Alle anderslautende Behauptungen haben Klatschcharakter und sind schlichtweg unseriös.
Ludwig II. war ja nicht nur ein liebenswerter, kunstsinniger König, er war auch ein absolut kreatives Genie. Der König verwirklichte eine Architektur, die es ohne ihn nicht geben würde; sie stellt nicht die Kunst, sondern das Königtum dar. Die Bereiche Theaterfürst und Bauherr sind somit stets vorherrschend.
Wer die Schlösser betritt, befindet sich inmitten der Seelenwelt Ludwigs II. Ludwigs Schlösser - die Poetischen Paradiese - wie er sie selbst nannte, sind zugleich Zeichen kreativer Träume. Jedes Schloß ist totale Hingabe an die Realisierung eines Traums. Es ging dem König nicht, wie der Naive so oft meint, um luxuriöse Lebensräume - er lebte ja in Hohenschwangau weitaus bescheidener als ein heutiger mächtiger Vorstandsvorsitzender, Manager, Politiker oder „Top-Star“. - Und in seinen Berghütten lebte Ludwig II. nun wirklich sehr kärglich.
Nun - der Gebrauchswert seiner drei Schlösser stand für ihn nie zur Debatte. Sie sind Kunstwerke, symbolische Verdichtung einer geschichtlichen Epoche in ihrer äußersten ästhetischen Steigerung.
Die Bauwerke Ludwigs II. zählen heute eindeutig zu den abenteuerlichsten Leistungen in der europäischen Architekturgeschichte seit der Französischen Revolution.
Ludwigs großes Kunstwerk, nämlich seine Schlösser, hat sich in unseren Tagen als eine der genialsten Investitionen entpuppt, die je ein bayerischer Politiker für sein Land getätigt hat. Und so wird König Ludwig II. von Bayern zum wahrhaft volkwirtschaftlichen Faktor.
In der Augsburger Abendzeitung erschien am 29. Juni 1886, also 16 Tage nach Ludwigs gewaltsamen Tod, ein informativer Aufsatz über Schloß Neuschwanstein, der zur Verteidigung des „bauwütigen“ Wittelsbachers gedacht war. Der letzte Satz in diesem Aufsatz lautete:

„Der Plan zu Neuschwanstein entstammt der gesundesten Zeit
des Königs und man wird mir beipflichten, daß Einteilung wie Ein-
richtung dieses Wunderbaues prachtvoll, selbst verschwenderisch, aber
durch und durch künstlerisch und großartig, ohne jede Überladung
oder auch nur Übertreibung, mit einem Worte kerngesund sind -
k r a n k war nur, was auf Neuschwanstein geschah!“ -

Nun, wir feiern heute den Geburtstag eines Königs, der sich als frommer Mensch zum Königtum von Gottes Gnaden bekannte; diesem Ideal fühlte er sich - auch im täglichen, privaten Leben - stets verpflichtet. Wie gern hätten wir uns eigentlich so einen Menschen als König in unserer düsteren, kalten und brutalen Welt gewünscht. Doch die Zeit der Könige ist endgültig vorbei.
Wer kann eigentlich heute noch ermessen, was das Wort K ö n i g bedeutete. Wir kennen genügend Könige als unwirkliche Figuren aus den vielen Märchenbüchern oder als prominente Royals, kaum wirklicher ihrerseits als die Zelluloidmenschen der Seifenopern made in Hollywood. Das Königtum, wie Ludwig II. es noch verstand, bezeichnet nicht einfach ein Machtmonopol, das ebensogut in der Hand eines Präsidenten oder eines Parlaments liegen bzw. zwischen diesen aufgeteilt werden kann.
Der König ist Metapher für die höchstmögliche Steigerung des Menschseins, so wie sein Schloß die höchste Möglichkeit der Epoche symbolisiert und weit mehr ist als bloße Wohnstätte.
Dieses Königtum war mit Aufklärung der Säkularisierung der Gesellschaft aber schon gestorben.
Die Rolle König Ludwigs II. im 19. Jahrhundert war tief in Frage gestellt, und seine politische Bedeutung im Schwinden begriffen. Politisch zunehmend entmachtet, hatte die Monarchie nur noch eine ihrer traditionellen Aufgaben, die Sinn zu stiften vermochte:

Kulturschaffen zu fördern.

Kein Monarch dieser Zeit erkannte dies so klar wie König Ludwig II. - Und so ist er der letzte wirkliche König seines Jahrhunderts, und mit ihm starb die Monarchie als geistige Macht.
Wie schon erwähnt, die Rückkehr der Monarchie ist nicht mehr möglich, ist undenkbar. Wo sie noch besteht, ist sie so bedeutungslos wie der Weihnachtsmann für Erwachsene. Das rationale Weltbild von heute hat keinen Platz mehr für Könige.
Friedrich Nietzsche hat somit recht, wenn er sagt: „Die Zeit der Könige ist vorbei, weil die Völker ihrer nicht mehr würdig sind.“
Doch Ludwig II. lebt als der wahre König in der Erinnerung seines Volkes und seiner vielen Freunde in aller Welt weiter.
Und so bestätigen wir uns selbst als Volk im vollen Sinne des Wortes, indem wir an den Märchenkönig glauben, denn ein Volk ohne solchen Mythos wäre ja nur ein politischer Zweckverband.

Eine Geburtstagsblume für den König

Ich lege diese Blume auf meines Königs Grab;
ich leg’ sie hin und weine - und schaue stumm hinab.
Es steht vor meinem Blicke Sein immerschönes Bild,
das zaubert mir zurücke,
was Mordnacht einst umhüllt.

Mir ist’s, als streckt’ er flehend die Hände aus dem Sarkophag,
als rief’ er zu Gott um Kraft und Mut,
als kläng’ in letzten Atemzügen Sein Wort so wehmutsvoll:

„Ach Gott, warum muß ich nun sterben?
Warum werd’ ich als Mörder und Selbstmörder
heut’ noch so verschrien?
Leb’ wohl, mein Volk, leb’ wohl!“

Ich lege diese Blume auf meines Königs Grab,
ich leg’ sie hin und weine - und schaue stumm hinab.

Ich flüstre leise:
Mein herzensguter König, Dir wird Gerechtigkeit zuteil!

(frei nach Joseph Kiefl - um 1900)

Nun, drehen wir das Rad der Geschichte einmal zurück - und nehmen wir Anteil an König Ludwigs 19. Geburtstag. Es war der 25. August 1864, Ludwigs erster Geburtstag als König von Bayern.
Der Hohenschwangauer Schloßchronik vom 24. August 1864 entnehmen wir: »... Am Vorabend des hohen Geburts- und Namensfestes Seiner Majestät des Königs waren die Wohnungen Hohenschwangaus geschmackvoll beleuchtet; rings auf den Bergen loderten mächtige Feuer und unzählige Böllerschüsse unterbrachen die Stille des Abends.«
Und weiter lesen wir in der Schloßchronik vom 25. August 1864: »Morgens neun Uhr wohnten die Königlichen Majestäten einer feierlichen Messe in der Schloßkapelle an. Nachmittags um vier Uhr begaben Sich Allerhöchsdieselben mit hohem Gefolge in das Schweizerhaus in die Blöckenau, um dort den Abend in ländlicher Abgeschiedenheit zu feiern.«
Ludwig II. war schon als junger Mann ein Feinschmecker der besonderen Art. Auch aß er gern und reichlich. Und Qualitäten wußte er sehr wohl zu unterscheiden. Im Trinken von Alkohol war er stets zurückhaltend.
Nun, werfen wir einen Blick auf die Speisekarte vom 25. August 1864:

Geflügelbrühe, Prinzessinart / Blätterteigpasteten à la Montgelas /
Rinderschmorbraten mit Gemüse, grüne Erbsen und Kartoffelkroketten /
Geflügelbrüstchen mit Pökelzunge / Gebratene junge Fasane /
Puddingtörtchen mit Aprikosen / Torte mit gemischten Früchten und Sahne /
Ananas- und Erdbeereis / Weine: Madeira, Geisenheimer 1842,
Chateau Margaux, Champagner, Muscat / Mocca.


Die Speisekarte - Hohenschwangau, 25. August 1864

Wer auch Speisen wie ein König will oder Gäste königlich bewirten will, dem empfehle ich den reichbebilderten, farbigen Bild-Band von Katja Lau, Renate Schütterle, Ernst Roscher: »Speisen wie ein König«. Dieser Band enthält Original-Menükarten mit über 100 Originalrezepten zum Nachkochen. Erschienen im Tomus Verlag.

Viel Spaß beim Kochen und guten Appetit!



von Mittwoch, 22. August
bis Sonntag, 26. August 2007
 

Times Square Productions und Arena Theater & Festspiel GmbH präsentieren zum 162. Geburtstag von König Ludwig II. „The Fantasy-Musical-Gala” from Webber to Disney mit den Musical-Stars Jan Ammann, Janet Chvatal, Anna Montanaro, Barbara Ferun, Andreas Mannkopff u.v.a.
In einer Inszenierung von Stanislav Mosa zeigen wir Ihnen die schönsten Szenen aus “Ludwig²”, “Aladdin”, “König der Löwen”, “Das Phantom der Oper”, “Mary Poppins”, “Die Schöne und das Biest” u.v.a.
Erleben Sie die faszinierende Vielfalt der Musical-Welt in einer spektakulären Gala.

Vorverkauf bei allen Geschäftsstellen der Allgäuer Zeitung sowie unter der Ticket-Hotline:
0 18 05/132 132 (0,14ct/Min.), 089/54 81 81 81 und 0180 / 30 333 30 (9ct/Min. - dt. Festnetz)
oder auch im Internet: www.eventim.de oder www.muenchen-ticket.de


Neu im König Ludwig II.-Internet:

Jeder König-Ludwig II.-Interessierte hat jetzt die Möglichkeit, an einer weltweiten Abstimmungs-Aktion Ein Herz für den Märchenkönig im Internet teilzunehmen; die Adresse lautet:
www.ludwig-zwei-forschung.de/umfrage.php

Wenn auch Sie erfahren wollen, wodurch Ludwig II. tatsächlich ums Leben kam - und wenn auch Sie wollen, dass die regierungsamtliche Mörder- und Selbstmörder-Version von 1886 nun endlich ihre Gültigkeit verliert, dann beteiligen Sie sich bitte an dieser Aktion. Diese Aktion wäre der erste und wohl einzige Schritt zu einer möglichen Aufklärung. Geben Sie also der Gerechtigkeit eine Chance - haben Sie ein Herz für den Märchenkönig.


Copyright@ August 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin

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