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Pressespiegel

Die virtuelle Autopsie revolutioniert die Rechtsmedizin
von Monika Funk

Oder gar von Auftrags killern hinterrücks er schossen? Der Tod von König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) im Starn berger See ist bis heute voller Rätsel. Die offizielle Version:

Der König wollte im See Selbst mord begehen, sein Arzt Dr. Bernhard von Gudden wollte ihn daran hindern; es kam zum Kampf; Ludwig ertränkte den Arzt, starb durch Herzinfarkt im zwölf Grad kalten Wasser.

Der König ein Mörder und Selbstmörder? Für den Berliner Geschichtsforscher Peter Glowasz ein unerträglicher Gedanke. Mithilfe moderner Technik will er beweisen, dass Ludwig den Kugeln zweier Gendarmen zum Opfer fiel. Er fordert jetzt

eine virtuelle Autopsie zur Klärung der Todesursache. Was beim 5300 Jahre alten Ötzi klappte, sollte doch beim vor 121 Jahren gestorbenen Märchenkönig Ludwig kein Pro blem sein ...

Vorreiter in Sachen virtuelle Autopsie ist das Institut für Rechtsmedizin in Bern. „Virtopsy haben die Schweizer Forscher ihr Verfahren genannt. Die unblutige Obduktion erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst wird die Oberfläche des Toten mit einem Scanner abgetastet. Dem entgeht keine Schramme, kein noch so kleiner Einstich. Dann kommt der Leichnam in die Röhre. Mittels Mehrschicht-Computertomograf (MSCT) werden Knochen und auch Fremdkörper - wie Kugeln präzise erfasst. Weichteile wie Organe und Muskeln stellt der Magnetresonanztomograf (MRT) dar. Aus allen Daten entsteht ein exaktes, dreidimensionales Bild des Toten von außen und innen.

„Der große Voneil der virtuellen Autopsie ist die objektive Dokumentation, sagt Prof. Michael Thali, Leiter des Instituts. „Die Befunde werden gespeichert, die Daten können immer wieder abgerufen werden. Würde bei einer klassischen Obduktion ein Detail vergessen, wäre es für immer verloren.

Außerdem bleibt der Leichnam unversehrt. Ein Vorteil, den auch Angehörige der Opfer schätzen. Vor allem bei orthodoxen Juden, die aus religiösen Gründen die Obduktion ablehnen, stößt das neue Verfahren aufgroßes Interesse.

Die Berner Forscher rechnen damit, dass in einigen Jahren die virtuelle Autopsie Säge und Skalpell in den meisten Fällen ablösen könnte.
„ Bei Vergleichsstudien stellten wir fest, dass in 70 bis 80 Prozent die Ergebnisse der virtuellen mit der klassischen Methode übereinstimmten, berichtet Prof. Thali.

Schwächen hat die zwei bis drei Mal so teure virtuelle Methode etwa beim Nachweis von Entzündungen. Bei komplizierten Knochenbrüchen ist sie der klassischen Methode aber überlegen. Auch winzige Gaseinschlüsse in Gefäßen, wie sie bei Tauchunfällen vorkommen und die beim Skalpellschnitt sofort entweichen, zeigen sich am CT deutlich.

Auch in Deutschland schätzt man die Vorteile der Hightech-Analyse. „Die virtuelle wird die klassische Autopsie zwar nicht vollkommen ersetzen, aber sie erleichtert die Arbeit der Rechtsmedizin enorm, sagt Dr. Thomas Schulz von der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uni Leipzig, der eng mit Rechtsmedizinern zusammenarbeitet. „Mit der .3D-Darstellung vorab kann bei der Obduktion effektiver vorgegangen werden. Schnitte können bei verdächtigen Stellen zielgerichteter gesetzt werden.

Doch nicht nur die Todesursache, auch der Tathergang kann anhand der dreidimensionalen Bilder besser nachvollzogen werden. Schulz: „Wir erkennen mittels CT bei einer Schussverletzung nicht nur die exakte Eintrittsstelle, sondern können auch genau rekonstruieren, aus welcher Richtung der Schuss abgefeuert wurde.

So konnte zum Beispiel im Fall einer niedergeschossenen jungen Frau gezeigt werden, dass der Täter die Pistole noch abfeuerte, als sein Opfer längst am Boden lag. Damit war eindeutig klar, dass es sich nicht um Totschlag, sondern um Mord handelte.

Birgt der Sarkophag ein böses Geheimnis?

UndLudwig II.? Könnte der König, der in einem Zinksarkophag in der Gruft der Münchner St. Michaelskirche ruht, virtuell obduziert werden?
„ Theoretisch ist das möglich, sagt Prof. Michael Thali. „ Vorausgesetzt, der Leichnam ist in einem guten Zustand. Doch das werden wir wohl nie erfahren. Denn die Nachfahren Ludwigs, das Haus Wittelsbach, wird nach wie vor keiner Autopsie zustimmen - ob traditionell oder virtuell.
Info: www.virtopsy.com

Prominente Fälle: Gletschermann Ötzi, Königin Nofretete, Märchenkönig Ludwig II.

Mit modernster Röntgentechnik können auch Geheimnisse aus Urzeiten gelöst werden: Wissenschaftler stellten per Computertomografen fest, dass Gletschermann Ötzi vor 5300 Jahren nach einer Verletzung durch einen Pfeil verblutete. Auf der Suche nach der legendären ägyptischen Königin Nofretete setzten Wissenschaftler den CT zur Identifizierung von Mumien ein (dabei fanden sie Nofretete nicht).

Jetzt hoffen Verehrer von Ludwig II. darauf, dass der Tod des Märchenkönigs, der in München in einem Sarkophag ruht, durch eine virtuelle




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