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Kolumne 15

Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi, war jahrzehntelang sommerlicher Feriengast im Hotel Strauch (heute: Hotel Kaiserin Elisabeth) am Starnberger See.
Peter Glowasz erzählt aus der Chronik
- Erster Teil -

Um ihrer Mutter in Possenhofen, der Frau Herzogin Ludovika, Tochter von König Ludwig I., nahe zu sein, wählte Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt: Sisi, den Ort Feldafing zu häufigem Aufenthalt.
24 Sommer verbrachte sie in Feldafing zu meist 3-4 Wochen, die Zeit verteilt auf die Monate Juni und Juli. Ihr Absteigequartier war von 1870 an das Hotel Strauch (heute: Hotel Kaiserin Elisabeth). Sisi hatte außerdem auch im Pfarrhof (gegenüber vom Hotel) Räume gemietet. Stets kam sie, jedesmal begleitet von der Tochter, Prinzessin Valerie, in einem Extrazug, mit dem auch 15-18 Pferde auf mehrere Equipagen mitgeführt wurden. Das Gefolge, das von 1877 an größtenteils in der Depandance untergebracht war, bestand meist aus 50 Personen, aus Beamten und Dienerschaft.
Für die Zeit des Aufenthaltes der Majestät begnügten sich in den Jahren vor 1877 die Hotelgäste mit Wohnungen in Villen und Privathäusern. Die Ankunft der Kaiserin wurde immer einige Tage zuvor angemeldet. Kaum war dies publik geworden, war die gesamte Einwohnerschaft wie elektrisiert und bereitete sich sofort zum festlichen Empfang vor. War sie doch stolz darauf, einen so hohen Gast in ihren Mauern beherbergen zu können.
Zum Empfang und zur Huldigung waren am Eingang des Hotels der Pfarrer und Dekan Dr. Ed. Clos und der Lehrer Joseph Deischl mit der Schuljugend anwesend. Mädchen, weiß gekleidet und mit Blumensträußen versehen, machten ihre angelernten Ver- beugungen und trugen Begrüßungsgedichte vor. Als die Töchter des Hotelbesitzers noch die hiesige Schule besuchten, waren diese dazu auserkoren gewesen. Den Vortragenden winkten dann Geschenke, Broschen, goldene Kreuze, auch Bilder der Kaiserin.
Nach Besichtigung der Gemächer erschien die Majestät auf dem Balkon und warf von hier aus Bonboniers herunter. Die Buben trieben sich länger in der Nähe des Hotels herum, um zu warten, bis die Majestät ausritt. Wenn sie kam, so schrien sie lauthals: »Hoch! Frau Kaiserin!«. Lachend drehte dann die Kaiserin ihren ungarischen Schimmel den Buben zu und ließ ihnen von einem nachfolgenden Begleiter wieder Süßigkeiten zukommen. Wenn sich die Buben um diese recht abbalgten, bereitete ihr dies die größte Freude.
Zur persönlichen Sicherheit der Majestät waren zwei Leute aus Starnberg hier, um den Privataufgang zu den kaiserlichen Gemächern im Hotel zu bewachen. Weil bekannt war, daß sich Majestät vor dem Feuer so sehr fürchte, ließ der Besitzer, Herr Strauch, eine kleine Wendeltreppe errichten, von welcher aus sich die Kaiserin hätte retten können.
Zum hiesigen Aufenthalt führte die Kaiserin für sich und ihren Hofstaat das benötigte Geschirr mit, auch für die Konditorei. Herr Strauch mußte dafür einen eigenen Herd einbauen lassen. Die Speisen für Majestät und ihre nächste Umgebung wurden unter Anleitung ihres eigenen Küchenchefs (Herr von Adel) zubereitet und zur Tafel gebracht. Zwei Köche waren angestellt, die nur für Bäckereien und Kaltes zu sorgen hatten. Hinsichtlich der Speisen sei erwähnt, daß die Kaiserin in den ersten Jahren ihres Aufenthaltes in Feldafing zum Frühstück gern zwei Eier, warm von der Henne weg, genoß. Solche auf Wunsch immer herbeizuschaffen, bereitete der Küchenleitung gar manche Aufregung.
Die Hauptmahlzeiten, mittags und abends, hatten in sieben Tafeln stattgefunden, gemäß der Einteilung des Hofstaates in sieben Gruppen. Für jede Gruppe gab es eine andere Speisenfolge. Die Bedienung bei der Mahlzeit mußte rasch geschehen und es durfte keine „Stockung“ eintreten.
Ein Lieblingsgetränk war für die Majestät frischeMilch von der Kuh. Nicht selten kam Sisi abends in den Stall, wo sie Milch in einem Glas reichen ließ. Die Milch stammte von einer ganz bestimmten Kuh, die vom Tierarzt geimpft worden war.
Manchmal ging die Kaiserin auch in ein nahegelegenes Bauernhaus, wo sie sich - nach Zusicherung, daß alle Kühe des Stalles gesund seien - Milch in einem »Weitling« vorsetzen ließ. Keine Bäuerin ahnte, daß die Fremde, die sich die Milch schmecken ließ, die Kaiserin sei.
In den letzten zwei Jahren ihres Aufenthaltes in Feldafing hatte Majestät nur noch kalte Speisen zu sich genommen. Auch Kaffee, Schokolade kam kalt auf den Tisch. Gäste hatte sie nicht mehr.

Die Kaiserin liebte früh aufzustehen. Zur Morgentoilette stand ihr weiches Seewasser vom Starnberger See zur Verfügung, das der Fischkäufer Andreas Vitzthum täglich mit einer Kanne von Possenhofen bringen mußte. Trinkwasser lieferte die gefaßte Quelle bei der Seepromenade. Zum Frisieren ihres reichen schwarzen Haares begab sie sich in ein Gemach des Pfarrhofes. Die Frisur geschah durch eine Frau Hofrat aus dem Adel. Der Majestät lag die Erhaltung ihres prächtigen Haares sehr viel am Herzen. Waren die Haare gemacht, fragte sie jedesmal, wieviel Haare am Kamm hängen geblieben seien. Ganz entsetzt war sie, wenn der Verlust von nur zwei Haaren zu melden war. Waren mehr ausgegangen, so war sie für Stunden sehr traurig.
Die Stunden während des Tages verliefen entweder unter Konversation oder die Kaiserin widmete sich der Körperpflege und dem Sport. Für Leibesübungen ließ die Kaiserin 1882 im ersten Stock des Hotels das südöstliche Zimmer als Turnsaal einrichten und den Boden mit ca. 12 cm starken Matrazen belegen. Die Arbeiten wurden ausgeführt von den Firmen Biller und Simon Popp aus Starnberg.
Im Pfarrhaus erhielt die Kaiserin Unterricht im Florettfechten, bei schönem Wetter auch im Freien. Zur Ruhe begab sie sich dann auf ein Stündchen in ein an zwei Bäumen des Pfarrgartens befestigte Hängematte. Vor den Blicken neugieriger Passanten war sie geschützt durch dichte Sträucher, die extra neben dem Straßenzaun angepflanzt waren.
Vormittags fuhr oder ging die Kaiserin an schönen Tagen zum Starnberger See, um dort ein Boot zu nehmen. Die ganze Badeanstalt war dann nur für sie reserviert. Zwei Gendarmen bewachten den Weg dorthin. Die Kaiserin badete im Strauchschen Damenbade. Eine junge Mährin verrichtete die Dienste einer Badefrau. Dieser oblag die Körperpflege der Kaiserin. Das Mädchen trug rote Kopfbedeckung, die weit zum Rücken herabreichte. Nach dem Bade unternahm die Kaiserin in den königlichen Anlagen einen Spaziergang. Hier konnte sie die Fremden am besten von Angesicht zu Angesicht sehen. Nicht selten pflegte sie auch mit ihrer gelben Dogge im Abenddunkel, wenn sie des Tages durch Besuche verhindert war, noch die schönen Wege der Umgebung zu begehen. Besonders gern wandelte sie am Seeufer entlang bis Garats- hausen. Herrschte angenehme Luft, so stattete sie auch der Wallfahrtskirche Andechs einen Besuch ab. Um 3 Uhr nachmittags trat sie in Begleitung eines Dieners den Weg nach Andechs an.
Bis Anbruch der Dunkelheit war sie bereits wieder ins Hotel zurückgekehrt. Solch weiter Weg machte die Kaiserin nicht ermüdend, denn sie war eine gute Fußgängerin. Bekannt ist auch, daß ihre Hofdamen nicht selten veranlaßt wurden, mit ihr mehrstündige Märsche zu unternehmen. Sie ließ sich hierbei auch nicht vom eintretenden Regen abhalten.

- Ende des ersten Teiles -


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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