König Ludwig II. - aktuell | Das Internet-Magazin für
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Kolumne 18

Aus dem Jahre 1880 ist bekannt, daß die Kaiserin hoch zu Roß trotz des Regens dem König den Besuch erwiderte, den Ludwig II. ihr in Possenhofen von Schloß Berg aus abgestattet hatte. Und im folgenden Jahr traf sich dann die Kaiserin mit dem König in Berg; er begleitete sie in einem Kahn des Hotels Strauch zurück; der Ruderer war der kleine Mohr der Kaiserin, der auf der Heimfahrt fremde Volkslieder zur Gitarre sang. Der König beschenkte den Mohren mit einem goldenen Ring.
Und dann geschah später das schreckliche Ende des Königs: Vom Tod des Königs am 13. Juni 1886 wurde die Kaiserin am nächsten Morgen, acht Uhr, telegraphisch benachrichtigt. Der tragische Tod des Freundes, an dessen Geisteskrankheit sie keinesfalls glaubte, erschütterte sie auf das allertiefste. Der Biograph Gottfried von Böhm schrieb später, „...man glaubte im ersten Augenblick, angesichts des Schrecklichen, daß ihr Geist umnachtet schien - ‚laßt ihn aus der Grabkapelle’, rief sie wie wahnsinnig, ‚er ist nicht tot, er stellt sich nur so, als ob er tot wäre, um in Friedengelassen und nicht gequält zu werden’.
Sie befahl dem Gefolge, sie allein bei der Bahre zu lassen. Als man dann längere Zeit danach wieder in das Totengemach von Schloß Berg trat, lag sie ohnmächtig auf dem Boden. Nach der Rückkehr von Berg schickte sie dorthin einen riesigen Kranz von blühendem Jasmin, eine von den Lieblingsblumen des Königs. Viele Wochen betrauerte die Kaiserin in der Einsamkeit den Tod des Vetters. Sie schwankte zwischen der Hoffnung, daß er nicht geisteskrank gewesen sei, und der Furcht, daß eine solche Krankheit sie selbst bald ergreifen könne...“, soweit Gottfried von Böhm.
Nach dem Tod ihres Sohnes Rudolf am 30. Januar 1889 war aus der schönen, stolzen Kaiserin eine scheue Unglückliche geworden. Sie machte bis auf die letzten zwei Sommer hier in Feldafing noch ihren Spazierritt, wobei sie einen Revolver am Riemen umgehängt hatte oder sie ging in den königlichen Anlagen oder auf dem Höhenberg spazieren. Da begleitete sie ihr Lehrer für antike Sprachen, es war ein Grieche. Die Kaiserin ließ sich auch immer Wein aus Griechenland kommen.
Neugierigen Blicken entzog sie sich jetzt auf Spaziergängen dadurch, daß sie krampfhaft ihren Sonnenschirm oder großen Fächer vor das Gesicht hielt. Die Innenseite des Fächers enthielt einen Spiegel, um zu kontrollieren, wer hinterher folgte.

1894 war die Kaiserin das letzte Mal in Feldafing. Am Vorabend jeder Abreise pflegte sie, die Hoteleigentümer, Herrn und Frau Strauch, separat zu sich zu bitten. Beide konnten sich darauf nur freuen, denn beiden wurde nun Worte der Anerkennung und des Lobes zuteil. Herrn Strauch gegenüber drückte sie ihren besonderen Dank aus für alle erwiesenen Aufmerksamkeiten, für persönlichen Schutz, gute Unterkunft und Verpflegung, sowie für Einrichtungen, die er für sie geschaffen hatte.
Bei der Audienz der Frau Strauch hob die Kaiserin hervor, daß immer alles klappte, daß für alles, was sie als Hausfrau angegangen, nett gesorgt worden sei.
Nach 8 bis 14 Tagen traf stets ein schönes Schmuckstück vom Hofe der Kaiserin an die Adresse der Frau Strauch ein. Herr Strauch wurde schon in den ersten Jahren des Aufenthaltes der Kaiserin ein kaiserlicher Orden verliehen, den er jedesmal bei ihrer Anwesenheit tragen mußte.

Bei Abrechnung mit dem Hofmarschall gab es niemals Differenzen. Dies, sowie die außerordentliche Fürsorge für einen angenehmen Aufenthalt, nicht minder die stärkende Höhenluft und die Anmut der ländlichen Reize der Gegend, dürften auch zu den Bewegungsgründen zählen, warum die Kaiserin Jahr für Jahr Feldafing zum Aufenthalt erkor.
Wie das Ende des Königs, so war auch das tragische Ende der Kaiserin. Sie wurde am 10. September 1898 in Genf das Opfer eines Attentates. Die Kaiserin wollte nach einem Zwischenaufenthalt in Genf mit dem Schiff wieder nach Montreux zurückfahren. An diesem Tag hatten die Genfer Zeitungen von ihrer Anwesenheit in der Stadt berichtet. Luigi Luccheni, ein fünfundzwanzigjähriger italienischer Anarchist, der durch eine spektakuläre Tat auf sich aufmerksam machen wollte, beschloß daraufhin, ein Attentat auf die Kaiserin zu verüben.
Luccheni hatte ursprünglich vorgehabt, einen Prinzen aus dem Hause Orleans zu ermorden. Dieser Plan war jedoch bereits daran gescheitert, daß er den Prinzen an keinem Orte mehr antraf, nach denen er ihm nachreiste. Nun lauerte Luccheni der Kaiserin vor ihrem Hotel in Genf auf. Als sie das Hotel verließ, stieß er ihr eine dünne, messerscharf geschliffene Feile in die Brust. Die Kaiserin stürzte, stand aber sogleich wieder auf, bedankte sich bei den Umstehenden, die ihr zu Hilfe kommen wollten, in drei Sprachen und ging mit ihrer Begleiterin zum Schiff. Sie hatte nicht bemerkt, daß Luccheni zugestoßen hatte. Vielmehr glaubte sie, er habe sie nur berauben wollen. Erst auf dem Schiff brach sie zusammen. Man schaffte sie noch ins Hotel zurück, wo der eilig herbeigerufene Arzt nur noch den Tod feststellen konnte.

Die Kirche und die Gemeinde Feldafings zählen die Kaiserin zu ihrer Wohltäterin. Sooft sie hier eintraf, ließ sie der Armenkasse einen namhaften Betrag überweisen. Zur steten Erinnerung an sie stiftete ihr Gemahl ein schönes Kirchenfenster. Auch über ein Marmordenkmal, das die Kaiserin etwas überlebensgroß darstellt, verfügt Feldafing seit Mai 1926.

Er war eigentlich eine sehr kleine Person, ungefähr 1,20 bis 1,30 m groß und etwas über 20 Jahre alt. Genau war sein Alter nicht bekannt. Die Kaiserin erhielt diesen diesen kleinen Menschen von einem ägyptischen Pascha zum Geschenk. Dieser kleine Mohr, namens Rustino, war türkisch gekleidet. Er trug eine weite, weiße Pluderhose mit zirka 5 cm breitem Gürtel, der um den Leib gewickelt und mit einer goldenen Nadel festgesteckt wurde, dann ein seidenes Hemd, eine helle Binde und über dem Oberkörper eine blaue Jacke. Ein roter Fez mit langer Quaste, etwas schief gesetzt, bedeckte das Haupt. Zum Schutze gegen Sonnenstrahlen führte er seinen großen weißen Schirm bei sich.
Dieser Mohr wurde zu dem Lehrer Deischl in die Schule geschickt. Im Schulzimmer nahm er dann in einer der Bänke Platz und hier ließ er sich beim Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichten. Trotz seiner mangelhaften Kenntnisse im Deutschen machte er doch annehmbare Fortschritte und er schrieb später in dankbarer Erinnerung ver- schiedene Briefe an seinen früheren „Herrn Schulmeister“. Zu diesen Unterrichtsstunden wurde er meist von einem Diener begleitet, der ihm die Schultasche nachtragen mußte. Eine solche Begleitung war auch nötig, denn Rustino wurde von den Buben des Ortes viel geneckt und wo sie ihn sahen, riefen sie ihm das beleidigende „Mohrrackel“ nach, das er dann mit wuchtigen Hieben mit der Hundepeitsche quittierte.
Die Gunst, die die Kaiserin ihm zugewandt hatte, verscherzte aber Rustino nach mehreren Jahren; er machte Streiche, lief auch den Mädchen nach und die Kaiserin ließ ihn in Wien das Buchbinderhandwerk lernen und kaufte ihm ein Geschäft.

- Ende -


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