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Kolumne 24

Der Lobgesang der Mönche

Weit ab von den Wohnungen der Menschen, mitten in einem tiefen Wald, lebten eine Anzahl betagter Mönche. Sie waren sehr glücklich beisammen, nicht nur weil sie sich untereinander liebten, sondern besonders, weil sie Gott von ganzem Herzen liebten und nur seine Ehre suchten.
Einen Kummer aber hatten sie: Sie waren alle unmusikalisch. Keiner von ihnen hatte eine klangvolle, harmonische Stimme. Das allein machte die guten Mönche bisweilen traurig, denn da sie Gott so sehr liebten, so hätten sie auch gerne schön zu seinem Preis gesungen. Sie gaben sich auch alle erdenkliche Mühe, aber wenn sie in der kleinen, grauen Kapelle die Morgen- und Abendmesse sangen, so verscheuchten sie mit ihrem Gesang sogar alle Singvögel, die erschrocken davonflogen.
Sollten sie das Singen nicht aufgeben, da sie doch immer aus dem Ton fielen? Es kam ihnen nicht in den Sinn.
Die einfachen alten Mönche waren fest überzeugt, daß Gott von ihnen gepriesen werden müsse. Darum schmerzte es sie auch nicht, wenn sich die Vöglein schwirrend ins Dickicht flüchteten.

Die Weihnachtszeit kam heran, und die Herzen der Mönche waren voll Liebe und Dankbarkeit zu Gott, daß er seinen teuren Sohn, den Versöhner auf die Erde gesandt hatte. Wie sehnlichst wünschten sie sich alles Gott zu geben, aber sie hatten nichts als das Opfer ihrer Lippen, und dieses Opfer war so mangelhaft.
Da klopfte am Vorabend vor Weihnachten ein Mönch an ihrer Türe an, er hatte sich im Walde verirrt und bat um ein Nachtlager. Die Mönche freuten sich ihn aufzunehmen. Er war schön und stattlich von Gestalt und sang so herrlich wie die Engel im Himmel. Sie erzählten ihm, wie sehr es sie betrübe, nicht würdiger singen zu können und baten den fremden Bruder, er möchte doch bei ihnen bleiben, um die Weihnachtsmesse zu singen.
Schweigend saßen die alten Mönche in der Kapelle und hörten dem begabten Bruder zu, wie er die wohlbekannten Psalmen und Lieder sang, und sie freuten sich in dem Gedanken, daß Gott nun Wohlgefallen haben könne an dem schönen Lobgesang. Auch die Vöglein kamen in Scharen wieder und lauschten den herrlichen Klängen.

Als der Gottesdienst vorüber war und es ganz still wurde, stand plötzlich ein Engel am Altar. Er sah traurig aus und fragte die Mönche, die sich vor ihm niederknieten: „Wie kommt es, daß an diesem Heiligen Abend der wundervolle Klang eurer Lieder nicht zum Himmel emporsteigt? Der Herr sendet mich mit dieser Frage.“
Die alten Mönche sahen sich verwundert an und erzählten dem Engel wie sie sich gefreut hatten, als der fremde Bruder mit der schönen Stimme versprochen hatte, bei ihnen zu bleiben.
Darauf meinte der Engel: „Die Gesänge, die von der kleinen, grauen Kapelle kamen, stiegen als herrliche Harmonie zum Himmel empor, denn ihr habt zu Gottes Ehre aus reiner Liebe gesungen. Heute Abend jedoch drang nicht ein Ton durch das Himmelstor. Euer Sänger sang nicht für Gott allein, er bewunderte sich selbst und seinen Gesang. Unser Gott wartet auf den einfachen Lobgesang aus der kleinen, grauen Kapelle!“
Mit diesen Worten verschwand der Engel.
Mit dankerfüllten Herzen über die wunderbare Barmherzigkeit ihres Gottes versammelten sich die alten Mönche von Neuem, und der rauhe Klang ihrer Lieder wurde von dem Abendwind getragen und vereinigte sich mit dem großen Lobgesang im Himmel.
Tags darauf verabschiedeten sich die Mönche von dem Fremden und sangen hinfort das Lob Gottes so gut sie konnten aus reinem Herzen.

Ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2009 wünscht Peter Glowasz allen wahren Königsfreunden.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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