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Kolumne 42

König Ludwig II. von Bayern -
sein Verhältnis zu den Frauen und das Verlöbnis
Ein Beitrag von der bekannten Starnberger Studienrätin Dr.Isa Brand;
sie starb im Alter von 97 Jahren am 16. Oktober 2003

Von König Ludwigs II. Beziehungen zur Frauenwelt war für seine Umgebung die erregendste die Verlobung mit der Tochter des Herzogs Maximilian in Bayern, Prinzessin Sophie, Schwester der Kaiserin Elisabeth von Österreich. Längst hatte man von dem schönen, zum Abgott des Volkes gewordenen König erwartet, dass er dem Land eine Königin heimholen würde. Voreilig waren schon Gerüchte aufgetaucht, wenn Ludwig sich bei Fürstenbesuchen mit dem Charme seiner Persönlichkeit dem weiblichen Geschlecht zuwandte. Erst ¼ Jahr lang trug er die Krone, als er sich zu einem Verwandtenbesuch beim österreichischen Kaiserpaar - Franz Joseph und Elisabeth - und der Zarenfamilie - Alexander II. - nach Bad Kissingen begab. Ludwig fühlte sich in dem Kreis außergewöhnlich schöner Frauen sichtlich so wohl, so dass aus dem für 4 Tage geplanten Aufenthalt 4 Wochen wurden. Was war natürlicher als das Munkeln der Presse von einer bevorstehenden Bindung des bayerischen Landesherrn an die junge russische Großfürstin. Ludwig dachte nicht im geringsten daran. Er genoss den Zauber und die Anmut der fürstlichen Damenwelt durchaus, aber er fühlte sich erotisch nicht zu ihnen hingezogen. Er verehrte die Schönheit der Frauen wie ein Kunstwerk.
Auch in seinem späteren Leben pflegte er Beziehungen zu Vertreterinnen der Weiblichkeit, die sich vor allem durch Geist auszeichneten, z.B. in der Gestalt der Schauspielerin Marie Dahn-Hausmann, der Hofdame seiner Mutter, Therese Freifrau von Redwitz. Auch Cosima Wagner gehörte dazu.
Die Verlobung mit Sophie im Jahre 1867 - Ludwig war 22 Jahre alt - wird immer rätselhaft bleiben in letztlich unerklärbaren Seelenvorgängen menschlicher Erdge- bundenheit. Das Brautpaar kannte sich von Kindheit an, und als sich bei beiden eine Schwärmerei für Richard Wagners Opern entwickelte, glaubte Ludwig die Partnerin für sein Leben gefunden zu haben. Und doch waren sie charakterlich sehr verschieden. Sophie konnte in ihrer heiteren völlig unbeschwerten Art dem schwerblütigen, an ein hohes Amt verpflichteten Manne keine passende Gefährtin sein. Die Verlobung erwies sich als Irrtum. Aus einer impulsiven jugendlichen Stimmung geschlossen, von Sophies Mutter gefördert, löst Ludwig sie plötzlich, zum großen Bedauern des Landes. Die Gedenkmünzen waren schon geprägt, und mit der Hochzeitskutsche bereits Probefahrten durch München gemacht. Wie Ludwig auf die taktvollste Weise seiner Braut die Erklärung der Lösung zukommen ließ, beweist ein Brief an das nur schwesterlich geliebte Mädchen:
“Da wie damals die Verlobung so auch der Vermählungstag durchaus
wie eine Treibhauspflanze gewaltsam gezeitigt werden soll, so halte ich
es für meine heilige Pflicht, jetzt, da es noch Zeit ist, Dir einige Mittheilungen
zu machen. Stets warst Du mir von Herzen werth und theuer, ich hänge an Dir
mit inniger wahrer und aufrichtiger Zuneigung, liebe Dich wie eine
theure Schwester … Als wir im vorjährigen Sommer öfters uns schrieben,
als ich Dir Beweise meiner Freundschaft, meines Vertrauens gab, drängte
Deine Mutter zu einer Entscheidung; sie glaubte, ich hätte Dich bethört,
denn an ein Bestehen von Freundschaft ohne die eigentliche Liebe glaubte
sie nicht; Du erinnerst Dich der Antwort, die ich Dir damals gab und
Deiner Mutter durch Gackel erteilen ließ. - Als ich zu meinem tiefen Kummer
erfahren mußte, wie unglücklich Dich dieselbe gemacht hat, daß Du fortmüßtest,
wir niemals uns mehr sehen könnten, wurde ich auf das Tiefste ergriffen,
gerührt durch diesen Beweis wahrer Liebe, den Du mir gabst; meine
Zuneigung für Dich steigerte sich, so daß ich mich hinreißen ließ, um Deine
Hand zu werben. Wenn ich nun alle Vorbereitungen zur Hochzeit treffen
ließ, Dir darüber sprach und schrieb, sie hinausschob und doch nicht aufgeben
wollte, so geschah dies durchaus nicht, um Dich anzuführen … O nein,
hintergehen wollte ich Dich nicht … ich handelte im festen Glauben, es würde
alles zu einem befriedigenden Ende führen. -
Ich hatte nun Zeit, mich zu prüfen, mit mir zu Rathe zu gehen und sehe, dass nach
wie vor meine treue, innige Bruderliebe zu Dir tief in meiner Seele wurzelt,
nicht aber die Liebe, die zur Vereinigung in der Ehe erforderlich ist. Ich war Dir
diese offene Mittheilung schuldig, liebe Elsa, ich bitte Dich um die Fortdauer
Deiner Freundschaft; wenn Du mir mein Wort zurückgibst und wir von einander scheiden, so bitte ich Dich, thun wir es ohne Groll und Bitterkeit; behalte, ich ersuche Dich herzlich darum, die Andenken, die Du von mir in Händen hast,
und gestatte mir, daß auch ich die erhaltenen behalte; sie werden mich stets an eine Zeit erinnern, die nie aufhören wird, mir theuer zu sein, und an eine liebe
Freundin und Verwandte, für deren Glück, das mir sehr am Herzen liegt, ich
täglich Gott bitten werde. Solltest Du bis etwa in Jahresfrist niemanden gefunden haben, durch welchen Du glaubst, glücklicher zu werden als durch mich, sollte auch dieses bei mir der Fall sein, was ich nicht für ganz unmöglich halte, so können wir
uns ja dann auf immer vereinigen, vorausgesetzt, daß Du dann noch Lust
dazu hast; doch ist es besser, wenn wir jetzt von einander scheiden, und uns
nicht durch ein bestimmtes Versprechen für die Zukunft binden, misslich bleibt
immer das plötzliche Sich Einmischen Deiner Mutter in unsere Angelegenheit …”

Sophie verlobte sich einige Monate später mit dem Herzog von Alençon. - Gern hatte Ludwig Frauen um sich, die auf der Bühne bereits zu Ruhm gelangt waren. In Neuschwanstein empfing er des öfteren die Schauspielerin Josephine Scheffsky, mit der er ausgedehnte Gespräche über Kunst führte.
Eine kurze Zeitlang durfte sich auch Lila von Bulyowsky einer gewissen sentimentalen Schwärmerei erfreuen, die sich an gemeinsamen Gesprächen über Literatur entzündete und die sie dann wieder durch Taktlosigkeit verlor.
In König Ludwigs Leben gab es aber eine Frau, der er in seltener Seelentiefe verbunden war: Elisabeth von Österreich, kurz “Sisi” genannt. Mit dem Jugendgespielen Ludwig verband sie ein einzigartiger Gleichklang der Gefühle. Beide mieden später laute Geselligkeit, träumten in der Einsamkeit der Natur von ihren Idealen, verbrachten geheimnisvolle Stunden auf der Roseninsel in dem kleinen verzauberten Schlößchen im Starnberger See. Dorthin hatte Ludwig in jüngeren Jahren gerngesehene Gäste eingeladen, unter ihnen die Zarin Maria Alexandrowna. Elisabeth fühlte seine Einsamkeit in dem Verständnis aus, nach dem sich der fantasievolle Monarch sehnte.
In der Flucht vor den Menschen stimmten beide erstaunlich überein:
“Ich will nichts von den Menschen, als daß sie mich in Ruhe lassen”, und weiter: “So habe ich gedacht, ich würde mir eine Gesellschaft suchen, die mich in Ruhe läßt, mich nicht stört …Ich habe mich in mich selbst zurückgezogen und mich der Natur zugewandt.” Dasselbe könnte fast wörtlich Ludwig von sich gesagt haben.
An ihre Tochter, Erzherzogin Valerie schrieb Elisabeth: “Glück lebt ja nur in der Phantasie. Unsere Träume sind immer schöner, wenn wir sie nicht verwirklichen.”
Vielleicht war einer ihrer tragischsten Aussprüche: “Ich will, daß bei meinem Tode niemand anwesend ist. Ich will allein sterben.”
In gewisser Weise ist beiden dieser Wunsch erfüllt worden.
Doch auch im nüchternen Alltagsleben ähnelten sich die beiden Hoheiten in der Anschauung über ihre Zeit wie auch über die Politik. Kaiser Franz Joseph holte sich manchmal Rat bei seiner Gemahlin, da er ihr treffendes Urteil, das sie intuitiv abgab, sehr schätzte. Ludwig und Elisabeth teilten ebenfalls ihre Ansicht über die modernistische Kultur der damaligen Epoche. Sie haßten Telegrafenstangen und Fabrikschornsteine, wobei Elisabeth deutlich Kultur und Zivilisation unterschied.
Auch auf dem Gebiet der Opernwelt fühlten beide Gleiches. Tief ergriffen von einer Parsivalaufführung wünschten sie, daß sie nie enden möge. Am Tage, als Elisabeth ermordet wurde, entzückte sie sich noch an Melodien aus Lohengrin und Tristan. Am erstaunlichsten war ihre geistige Übereinstimmung auf künstlerischem Gebiet in der Architektur. Im Bauen sahen beide eine Art Selbstdarstellung. Sie trafen sich auch in Erhaltung der Illusion, wenn sie das Theater als Separatvorstellung erlebten.
Das bezog sich gleichfalls auf die Natur: “Dort wo die Menschen hinkommen, wird alles nur zerstört. Nur wo die Natur allein ist, behält sie ihre ewige Schönheit.”
Wie weitsichtig ist dieser Ausspruch von Elisabeth, wenn wir uns in die jetzige Zeit versetzen!
Von Ludwig und Sisi sind Briefe erhalten, Zeugnisse aus dem Leben zweier Menschen, die sich in der lauten Welt nicht zurechtfanden. Sie unterschrieben mit Namen, die sie sich romantisierend und mystifizierend ausdachten, “Adler und Taube”, und mit denen sie sich neue magische Wesenszüge gaben.
Ihre Verbundenheit konnte auch der Tod nicht lösen.
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Dieser Beitrag von Dr. Isa Brand ist ein Kapitel aus ihrem Buch “Ludwig II. König von Bayern - Seine Welt Sein Wesen Sein Wirken”, das 1995 im Peter Glowasz Verlag erschien; es ist seit vielen Jahren vergriffen.


Copyright@ Juni 2007 by Peter Glowasz Verlag, Berlin



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